Der Störenfried

Weiterleben oder Warten auf den Tod

Neues, anderes Leben

Am Mittwoch noch an einer Sitzung, am Donnerstag im Spitalbett. So schnell kann sich das Leben ändern. Es gab eine notfallmässige Untersuchung, ich höre etwas wie „sie kommt auf den 7. Stock“ und „die Untersuchung ist fertig“. Und dann bin ich wieder hellwach. Der Arzt teilt mir mit, ich müsse einige Tage bei ihnen bleiben, man hätte Gewebe zur Probe entnommen. Aha, denke ich mir, Krebsverdacht! Der Arzt bejaht. So sanft wird man in die Realität transportiert. Ein Schlauch hängt aus der Nase raus. Eine Sonde, das wollte ich nie. Ich werde zum Zimmer transportiert und die Gedanken beginnen zu kreisen:
Die Töchter informieren: per SMS: ich muss im Spital bleiben.
Meine Aufgaben verteilen (ich besorge die Administration für die Vereinigung Alters-und Selbsthilfeorganisationen der Schweiz VASOS), die Jahresversammlung steht an. Für die Grauen Panther Termin absagen, usw.
Dank Iphone geht das relativ zügig, bin voll beschäftigt, abgelenkt, bis die Ärzte kommen, nacheinander Abteilungsärztin, Assistenzarzt, Oberarzt, kein Mensch spricht den ominösen Verdacht aus, weitere Untersuchungen werden angemeldet, man fragt nach der Patientenverfügung…
Zum Glück haben wir in den Altersorganisationen immer wieder von den Notwendigkeit von Vorsorge-und Patientenverfügung gesprochen. Alles ist bereit. Welch eine Entlastung!
Ich versuche, an meinem Glück zu glauben, vielleicht ist das Ganze nur ein böser Traum. Merke aber an der besorgten Miene der Pflegenden, dass ich mir keine Illusionen machen darf. Also: Im Tag leben, Donnerstag Abend funktioniert die Magensonde nicht, schlückchenweise darf ich Wasser trinken, schalte auf Geduldmodus und schlafe ein, neben einer überaus lärmigen Zimmernachbarin.

 

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